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Von der Emotion

zur Sprache


 

 

 


Unsere Emotionen scheinen einer sprachlichen Benennung unmittelbar zugänglich zu sein.
Wir haben Worte, mit denen wir sie bezeichnen können.
In der Kommunikation mit anderen Personen können wir uns mit dem gleichen Emotionsvokabular verständigen.
Wir verstehen uns gegenseitig, wenn wir über Emotionen sprechen.
Das Sprechen über Emotionen scheint nicht wesentlich anders vor sich zu gehen als das Sprechen über Gegenstände, die uns vor Augen liegen.
Mit dem Unterschied, dass wir unsere Emotionen fühlen, anstatt sie zu sehen und zu berühren.
Wie geschieht es aber, dass wir mit Worten, die einem nach Regeln funktionierenden Register von Symbolen angehören, etwas bezeichnen können, was wir fühlen und erleben?
Können wir das, was wir fühlen, genau so sicher identifizieren wie das, was wir sehen?
Eine Identifikation des Gesehenen und Gefühlten ist jedoch notwendig, wenn wir sicher sein wollen, dass wir über dasselbe sprechen.

Gunter Gebauer, 73, em. Prof. für Philosophie an der FU Berlin.
Er ist Wittgenstein-Spezialist und zugleich der intellektuelle Kopf des deutschen Fußballs,
u.a. "Das Leben in 90 Minuten. Eine Philosophie des Fußballs" (2016).

cover Gebauer

 

 

 

 

Gebauer, Holodynski,

Koelsch, von Scheve


Von der Emotion zur Sprache

Wir wir lernen, 
über unsere Gefühle zu spechen

250 S., 39.90 €

Velbrück, 2017

 

 

 



                      Donnerstag, 16. November 2017, 20 Uhr
                                    
Buchladen 46
Kaiserstr. 46, 53113 Bonn


Gunter Gebauer - Die Videoclips vom 16. November 2017

Das Buch ist ein Produkt des Exzellenzclusters "Language of Emotions"
an der FU Berlin. Es ist auch im Konflikt entstanden;
z.B. zwischen dem Philosophen Gebauer und dem Neurowissenschaftler
Stefan Koelsch.



Stefan Koelsch:
Entgegen naiven Annahmen werden die affektiven Informationen von den Hirnstrukturen nicht
in einem eindeutigen neuronalen Code an Sprach- und Bewusstseins-
areale im Gehirn vermittelt (...)
Da hier das Mißverständnis vermieden werden soll, dass ein subjektiv
erlebtes Gefühl automatisch an Sprache gebunden sei, schlage ich
den Begriff Emotionsperzept vor.
Ein Emotionsperzept ist prä-verbal und wird in Teilen des Gehirns
generiert, die Empfindungsinformation nicht in einem eindeutigen
neuronalen Code an Sprachareale im Gehirn vermitteln."


Fazit: können wir also oder können wir nicht...?

 Ein Gedankensprung von Robert Stockhammer an Gunter Gebauer:
"Sind nicht viele Emotionen schon sprachlich vor-konnotiert?
Könnte es nicht auch umgekehrt sein - von der Sprache zur Emotion?"




©Michael Rüsenberg, 2017. Alle Rechte vorbehalten